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Mit hoz a jövő?

Verzió 4.04 – 2010. október 05.

1. Elektronikus kiadványok kiépítése

In nächster Zeit werden wir das Geschäft mit e-books verstärkt ausbauen.

2. Árkus Tanya. A magyarországi németek kényszerkitelepítése Hortobágyra (1950-1953) egykorú visszaemlékezés

Breuer Pál kiadásában, Pécs 2005.
Németre forditotta Matthias H. Rauert (kivonat)

2006. Október/Novemberben megemlékezett Magyarország az 50 évvel ezelőtti, a kommunista terroruralom elleni forradalomról. Ez alkalomból a GeniaNet Kiadó német nyelven tett közzé részleteket szemtanúk visszaemlékezéseiből, akik családjukkal együtt a stalini terror szenvedői voltak (kérjük kattintson a német nyelvválasztó gombra!).

Was bringt die Zukunft?

Version 4.04 - 05. Oktober 2010

1. Ausbau der elektronischen Ausgaben

In nächster Zeit werden wir das Geschäft mit e-books verstärkt ausbauen.

2. Árkus Tanya. Die Zwangsaussiedlung der Ungardeutschen nach Hortobágy 1950-1953 in Zeitzeugenberichten.

Herausgegeben von Paul Breuer. Pécs/Fünfkirchen 2005.
Auszugsweise Übersetzung für GeniaNet.com von Matthias H. Rauert

Im Oktober/November 2006 gedachte Ungarn der Revolution gegen die kommunistische Willkürherrschaft vor 50 Jahren. Aus diesem Anlass veröffentlicht GeniaNet Berichte von Zeitzeugen, die den stalinistischen Terror an sich, ihrer Familie und ihrem Freundeskreis durchlebten.

Vorbemerkung der Redaktion

9. November 2006. Wir setzen die Querschnitte aus den Lebenserinnerungen verschleppter Ungardeutscher fort und lassen heute einen anderen Zeitzeugen zu Wort kommen, genauer gesagt: eine Zeitzeugin. Damit verbindet sich die Frage: Ist der weibliche Blickwinkel anders? Verarbeiten Frauen die an sich und ihren Familien erlebte Willkür „emotionaler“? Welche Schwerpunkte lassen sich in der weiblichen Erinnerung feststellen?

Márta Dezső, Tochter eines, wie sie selbst schreibt, „Dorfnotars“, war zum Zeitpunkt der Deportation eine frisch absolvierte Mittelschülerin, voller Hoffnungen auf das „wirkliche“ Erwachsenenleben, wie Tausende anderer Teenager auch. Da fällt zunächst auf, dass sie am Anfang ihres Schicksalsberichts eine Notstandsverordnung aus dem Jahre 1939 als Grund ihrer Zwangsumsiedlung zitiert. Ihre Erinnerung ist präzise, wenn auch nicht ganz frei von Widersprüchen (es ist von zwei Personen, die dem guten Willen ihres Vater mißtrauten, die Rede, folgend wird aber nur der lokale Parteisekretär benannt – wer ist der andere?). Man erfährt, dass im Elternhaus der jungen Frau ein bildungsbürgerlicher Lebensstil gepflegt wurde: das Eßzimmer, das große Bücherregal, gefüllt u.a. mit den Werken gesellschaftskritischer ungarischer Hochliteratur des 19. Jahrhunderts, darunter der Revolutionär Mór Jókai, ein Weggefährte von Sándor Petőfi, oder Kálmán Mikszáth, der die Kuß-Gesellschaft der ungarischen Gentry karikierte.

Márta Dezsős Darstellung der Deportation trägt gewiss eher einen „typisch weiblichen“ Zug, wenn die Stimmung, Furcht und Anspannung im Moment der gewaltsamen Expatriierung minutiös und für jedes Familienmitglied beschrieben werden, sogar die Reaktion des Haushundes. Im Ganzen aber überwiegt doch der Eindruck einer feinsinnig-ironisierenden Erinnerung, die die Stasi-Soldaten (Ávósok) als barbarische Trampel schildert, die sich in der „guten Stube“ der Familie wie der Elefant im Porzellanladenladen aufführen. Damit werden neuere Ergebnisse der ungarischen Forschung zur Charakteristik der Hoch-Phase der stalinistischen Ära in Ungarn eindrucksvoll bestätigt. Die innere Verfassung und die instrumentellen Wandlungen der kommunistischen Geheimpolizei ÁVH als „die Polizei der Politik“ wurden neuerdings von György Gyarmati untersucht. Er stellte fest, dass die Terrorisierung der gesamten Gesellschaft selbst vor den eigenen Organen wie der „Firma“ nicht halt machte, zahlreiche Justizmorde und Schauprozesse auch gegen den eigenen Apparat in ein regelrechtes „Kadermassaker“ mündeten, bei dem am Ende eine Zufallsauslese überlebte. Die Verfolgungshysterie der Geheimbürokratie wirkte sich für ihre Opfer in rational kaum nachvollziehbarer, stets steigerungsfähiger Brutalität aus, denn, so Gyarmati, „für ihre eigenen inneren Ängste nahmen die ÁVH-Mitarbeiter Rache an den Deportierten, Häftlingen und Zwangsarbeitern. Die aus der Hauptstadt oder aus den südlichen Grenzgebieten verschleppten Bürger, denen auf dem Hortobágy, an der Theiß oder auf den Gehöften in der Jászság [Region in der ungarischen Tiefebene, ursprünglich von den Jasigen bewohnt, d. Red.] Zwangsquartiere in Schaf- oder Geflügelställen und anderen Schuppen zugewiesen wurden, sahen in ihren Wächtern verständlicherweise nur gegen alles gewappnete Bestien, die aus persönlichem Sadismus heraus handelten […]“ (Gyarmati 2002: 60f.).

Literatur: Gyarmati, György: A politikai rendőrsége Magyarországon a Rákosi-korszakban. Die Polizei der Politik in der Rákosi-Ära. Habilitációs Füzetek 1., hg. v. Mária Ormos und Ferenc Fischer, Pécs 2002 (bilingual, deutscher Teil: S. 37-67), Beilage: A politikai rendőrség státusának módosulása az államigazgatás szervezetében, 1945-1956 (Übersicht: Statuswandlungen der politischen Polizei in der Organisation der Staatsjustiz 1945-1956, 1 Blatt).

Paul Breuer: Einführung

Bildungsabschluss vor der Aussiedlung: Militärhochschule und zwei Jahre Studium der Rechtswissenschaft.

Nach der Aussiedlung: Rechts- und Argarwissenschaft. Bild/kép/image: Studienbuch der Agrarwissenschaftlichen Akademie Keszthely.

Im Ungarischen ist der Sinn eines Ausdrucks im allgemeinen eindeutig. Aber es gibt einige Ausnahmen; eine solche ist auch das Verb „aussiedeln“. Dieses Wortes wird verschieden erklärt.

Nach dem Bedeutungswörterbuch heißt aussiedeln soviel wie einzelne Personen oder gesellschaftliche, religiöse oder ethnische Gruppen mit organisierter Gewalt zum Wechsel ihres Wohnsitzes zu zwingen. Aus dieser Definition folgt, dass nur ein Staat, ausgestattet mit dem Machtmonopol und Exekutivorganen, zum Aussiedeln in der Lage ist.

Unter den Gründen für die Aussiedlung seien die drei gewöhnlichsten erwähnt. Im Falle von Naturkatastrophen wie Hochwasser, Feuersgefahr, Erdbeben oder Kriegsfrontlinien ist die Aussiedlung jeweils ähnlich. Sie geschieht im Interesse der Ausgesiedelten, oft aber auch gegen ihren Willen.

Der dritte Grund für die Aussiedlung hängt mit der Willkürherrschaft der Diktaturen zusammen und dient nicht der Bevölkerung. […]

Die größte Aussiedlung in Europa fand im ehemaligen russischen Reich statt. Die russischen Zaren siedelten jene Leibeigenen, die den Mut aufbrachten, sich über die zaristische Willkürherrschaft zu beschweren, einfach nach Sibirien aus. Nach dem Sturz des Zarismus setzten die Lenin und Stalin die Aussiedlungen unter anderen Gesichtspunkten fort. So wurde ein bedeutender Teil Sibiriens binnen 500 Jahren ein russischsprachiger Landesteil. […]

Die Aussiedlung in Ungarn

Mit ihrer Aussiedlungsmethode fanden Lenin und Stalin zwei treue ungarische Lehrlinge, nämlich den Ersten Sekretär der Ungarischen Arbeiterpartei Mathias Rákosi1 und Innenminister János Kádár (Kádár János2). Am 23. Juni 1950 in morgendlicher Frühe um vier Uhr hämmerten jeweils zwei Staatsschützer und zwei Polizisten an den Türen ausgewählter Häusern im Grenzland zu Österreich und Jugoslawien und verlautbarten, die Familien würden ausgesiedelt. Über das, was dann folgte, wird man ruhig sagen dürfen, dass sie deportiert wurden. Den dahingehend lautenden Beschluss hatte das Familienoberhaupt zu unterschreiben; tat er das nicht, dann wurde die Familie natürlich dennoch ausgesiedelt. Praktisch wurden alle ausgesiedelt, die man in der Wohnung antraf. So kam es vor, dass mit dem Haushaltsvorstand nicht nur die Angehörigen, sondern auch der ein oder andere Angestellte, ein bei den Erntearbeiten helfender Freund oder auch ein Verwandter verschleppt wurden.

Dem Befehl zufolge war einer Familie für Packen und Aufladen eine Stunde gestattet. Wesentlich war dabei das Einpacken von Lebensmitteln, weil, wie sich später herausstellte, in den ersten zwei Wochen in einem Lager an organisiertes Kochen nicht zu denken war. Fast gleichbedeutend war das Mitnehmen von Wintersachen. Am Ende lud eine Familie um 300 kg Gepäck auf ihren Wagen, der mit den eigenen Pferden zu ausgewählten Kreis-Stationen gezogen werden musste. Alles, was zurück blieb, war für das ganze Leben verloren. Es sei betont, dass weder die Staatsschützer3 noch wir wussten, wohin man die Ausgesiedelten führte. Nicht wenige befürchten, in die Sowjetunion verbracht zu werden. Diese Überzeugung wurde durch die Tatsache bestärkt, dass die Züge über Budapest nicht Richtung Szolnok4, sondern Richtung Hatvan4 gingen. Wie verhielten sich die Ordnungskräfte während des Einpackens? Die Staatsschützer waren einfach niederträchtig, von den Polizisten hingegen benahmen sich einige human. Ihr jeweiliges Verhalten kann ich mit einem Beispiel belegen. Eine alte Dame über 70 – es handelt sich um meine Großmutter – verließ zur Zeit der Aussiedlung als letzte die Wohnung, in ihrer Hand ein Kopftuch haltend, in das die Familienpapiere und etwas Schmuck eingewickelt waren. Die Staatsschützer rissen es ihr aus den Händen und verkündeten, dass mit dem Gewicht dieses Paketes die erlaubte 300-Kilo-Grenze überschritten sei! Anschließend brachten sie das Päckchen in die Wohnung zurück, um es dann wahrscheinlich in ihre Taschen zu verteilen. Die Polizisten indessen halfen oft, die eine oder andere Kiste oder einen Mehlsack auf den Wagen zu verladen, natürlich nur dann, wenn es kein Staatsschützer sehen konnte.

Dank der guten Organisation von János Kádár wartete an jeder Station auf eine Familie ein Wagon, in den jeweils eine Familie, ein Pferd, ein Wagen und auch ein Polizist hineinpassten. Also konnte eine Familie in die Sklaverei starten.

Auf die ausgesiedelten Familien – hochschwangere Frauen, Kinder im Krippenalter, die Verwandten und auch achtzigjährige Kranke – warteten folgende Strafen:

- Exil aus der angestammten Heimat,

- gefängnisartige, geschlossene Wohnplätze,

- Beschlagnahme aller Mobilien und Grundbesitzes,

- Zwangsarbeit bis zum Alter von 65 Jahren,

- ständige Polizeiüberwachung.

[...]

Márta Dezső

Árkuser Erinnerungen

Schulabschluß vor der Aussiedlung: 3 Tage vorher die Mittelschule absolviert.

Nach der Aussiedlung: Lehrer-Diplom der Fachhochschule für Gesundheitswesen

Nach einer gewissen Zeit wird man in den Belangen des Lebens klüger, obendrein nach 50 Jahren. So habe ich auch den wahren Grund für unsere Aussiedlung erfahren: „Unerwünschte Personen müssen aus jenen Orten entfernt werden, wo sie für die Umgebung eine Gefahr werden könnten.“ Damit aber wurde Paragraph 30 der Verordnung aus dem Jahre 1939 auf uns bezogen, mit dem Unterschied, dass dies auf „Kriegsverhältnisse“ gemünzt war. Das Jahr 1950 konnte man schon zu den Friedensjahren zählen.

Das Schuljahr war zu Ende. Glücklich reiste ich in mein Heimatdorf, nach Surd. Am Ende meiner Mittelschulzeit in Nagykanizsa5 konnte ich aufgrund einer guten Abschlussprüfung mit großen Hoffnungen ins Erwachsenenleben „eintreten“. Gewiss machte ich mir darüber keine Vorstellungen, zu welchem Preis.

Zu dieser Zeit weilte meine Mutter auf einer Religionskonferenz, so dass mir die häuslichen Aufgaben einschließlich der Versorgung meiner zwei kleinen Geschwister zufielen. Mein Vater war an die 30 Jahre Dorfnotar. Er hörte den Menschen zu, vor seiner Hilfsbereitschaft war man – mit Ausnahme zweier Menschen – überzeugt und begegnete ihm mit Hochachtung. Der lokale Kolchos war in Fragen der Organisation im Dorfe nicht sehr bedeutend, weil die Bodenverhältnisse hügelig und schwer kultivierbar waren. Auch heute ist nur ein Fachverband der Obstzüchter im Dorfe tätig, das Zentrum aber gehört zu Nagykanizsa.

Alltag hingegen waren zu eben dieser Zeit „Ablieferungen“. Das bezog sich auf Brotgetreide wie auch auf das Schlachtvieh und berührte empfindlich die soziale Lage der Dorffamilien. In vielen Fällen verursachte es Sorgen um das Auskommen. Als die Staatsschützer sogar das als Saatkorn bestimmte Getreide von den Dachböden fegten, protestierte mein Vater sehr energisch und leistete Widerstand. Bei einzelnen Familien – zum Beispiel Witwen, kinderreichen Familien – stimmte er diesem gnadenlosen Verfahren nicht zu. Daher bedrohte er ihn mehrfach der Staatsschutz, konnte aber meinen Vater nicht brechen. Zwanzig Jahre später traf meine jüngere Schwester als OP-Assistentin mit János Torma, der seinerzeit Parteisekretär6 des Dorfes war, zusammen. Auf seine Operation wartend, nahm der 80jährige während der Verabreichung der Injektion die Hände meiner Schwester, bat sie um Verzeihung für die Geschichte und sagte: „Wir wollten nur deinen Papa erschrecken, von den Kindern war nicht die Rede!“

„Danke für Ihren Schrecken, sehr gelungen, der Fahrschein nach Hortobágy, das kann man nicht verzeihen“ – antwortete meine Schwester, verließ den Sterilisationsraum und teilte dem Oberarzt mit, dass sie bei der Operation nicht offiziell assistieren könne!

* * *

Am 23. Juni 1950 morgens um 2 Uhr pochten sie an die Fenster unseres Zimmers. Ich schaute hinaus und sah unser Haus von 10-12 Staatsschützern umstellt. Dieser Anblick war wegen der Ablieferungen in jenen Zeiten üblich. Ich zog mir den schwarzen Schulkittel über und rannte durch die Wohnung, um meinen Vater aufzuwecken. Er zog sich auch ruhig an, um ins Kreisnotar-Büro zu gehen. Ungeduldig erwartete ich ihn zurück; aber warum kamen die Staatsschützer wieder mit, was drohte dem Dorf? Meine Anspannung steigerte sich noch, als ich hörte, dass unser Wachhund am Eingang des Flurs fürchterlich kläffte. Das machte er nur, wenn Fremde auftauchten. Bei Dorfbewohnern bellte er niemals. Unsere Überraschung war komplett, als unser Vater zurückkam, begleitet von zwei Staatschützern, die ihre Waffen auf ihn richteten. Dabei erlaubten sie meinen inzwischen erwachten zwei Geschwistern nicht, das WC aufzusuchen. Meine kleinere Schwester, damals 10 Jahre alt, begann laut zu schluchzen, weil sie merkte, dass meinem ernst und gefasst wirkenden Vater die Tränen über das ganze Gesicht flossen.

Erstarrt von diesem Anblick, saßen wir um den großen Tisch des Esszimmers herum. Nie, weder vorher noch nachher sah ich meinen Vater weinen, wiewohl er 90 Jahre alt wurde.

Die Minuten verstrichen, während er zuende redete: „Nun, Kinder, wir packen, weil wir die Wohnung verlassen müssen, aber das Paket darf nur 50 kg wiegen. Legt Laken bereit; für Koffer gibt es keinen Platz, weil wir die Wintersachen auch mitnehmen müssen. Stiefel, Decken sind auch nötig, hierher können wir niemals zurückkommen.“

Völlig gelähmt gingen wir an die Aufgaben. Nur das eine fragten wir ständig, warum und wohin man uns nehme, aber die Staatsschützer schrien nur: Seien Sie still und packen Sie! So füllten wir drei Bündel und in zwei Armkörbe Brot, Wurst7 und eine 5-Liter-Kanne mit Milch. Bücher und Bleistifte konnte ich nur in die Schultasche packen, ferner noch die Heilige Schrift.

Währenddessen unternahmen die Staatsschützer eine Hausdurchsuchung. Sie drehten die Tische und Stühle um und warfen eine ungeheure Menge Bücher aus dem Bücherschrank und Bettwäsche hinein. Wir nahmen die Mäntel aus dem Schrank, die Pelze aber durfte man nicht einpacken, weil sonst die 50-Kilo-Grenze überschritten worden wäre. Ich fing an zu weinen, als ich zusehen musste, wie die Staatsschützer mit ihren Stiefelbeinen auf der Jókai-Reihe8 und Mikszáth9 in Erdélyi Szépmíveszunft-Bindung herumtrampelten.

Auf dem Boden eines Schrankes fanden sie jene Briefe, welche ich nach schulischer Sitte als deutsche Sprachübung von einer Schülerin aus Finnland bekam. Darüber stolperte sofort ein Staatsschützer, weil ihm der deutsche Text fremd war und er brüllte: Das sind Spionageberichte! Vergebens wies ich darauf hin, dort sind die Fotos von meiner Freundin, ihrer Schule, über ihre Ausflüge, doch umsonst! Er raffte alles zusammen, um es mitzunehmen und seinen Vorgesetzten zu zeigen.

Interessehalber sei erwähnt, dass ich 30 Jahre später nach Finnland fuhr10, wo ich in Erfahrung brachte, dass meine Korrespondenzpartnerin Ärztin wurde, Kinderchirurgin und mehrfacher Mutter, die nicht verstand, warum ich damals ihre Briefe nicht beantwortete.

Anmerkungen:

Generell sei zu Paul Breuers Vorwort darauf hingewiesen, dass der Begriff „Aussiedlung“ im Deutschen eine weitere, durchaus nicht negative Bedeutung bzw. Erfahrung beinhaltet, und zwar im Begriff „Spätaussiedler“

(z. B. aus der Sowjetunion und Nachfolgestaaten, Rumänien). Diese Form der Aussiedlung basiert, sofern man nicht eine wirtschaftliche Notlage als Aussiedlungsmotiv mit staatlichem Zwang gleichsetzen will, durchaus auf dem freien Entschluß der Aussiedler, die sich in der Regel dank staatlicher und kommunaler Eingliederungshilfen mit der Übersiedlung besser stellen (können) als in der alten Heimat. Die von Paul Breuer betonte Konnotation treffen eher das deutsche Verb (jemanden) zwangsaussiedeln und seine Substantivierung „Zwangsaussiedlung“. Entsprechend wurde der Titel von mir neu gefaßt.

- Der Übersetzer –

1) Ungarisch: Rákosi Mátyás (dt. ausgesprochen Raakoschi Maatjaasch), geb. Ada 9. 3. 1892, † Gorki 5. 2. 1971, 1919 während der Räterevolution unter Béla Kun (ung. Kun Béla) stellvertr. Volksbeauftragter für Handel, 1945 Generalsekretär der kommunistischen Partei, 15. 11. 1945 Staatsminister und stellvertr. Ministerpräsident im Kabinett Zoltán Tildy, 14. 8. 1952 Staats- und Parteichef, 18. 7. 1956 Rücktritt von allen Ämtern und Emigration in die Sowjetunion.

2) Ungarisch: Kádár János (dt. ausgesprochen Kaadaar Jaanosch), geb. Kápoly 26. 5. 1912, 1932 KP-Mitglied, 9. 12. 1948 Innenminister im Kabinett István Dobi (Staatsminister: Mathias Rákosi), 1951-54 in Haft, dann rehabilitiert, 1956 anfangs auf Seiten der Revolution, schlug sich am 4. 11. 1956 zu den Sowjets und half beim Sturz von Imre Nagy (MP seit 4. Juli 1953); 1957 Parteichef, Erfinder des sog. „Gulaschkommunismus“ (ein Ausdruck von Nikita Chruschtschow), Rücktritt 21. 5. 1988.

3) „Ávósok“ (vgl. ung. Text), die Mitarbeiter des Államvédelmi Osztálya (ÁVO) = der Staatsschutzabteilung (bzw. ab Oktober 1948 ÁVH = Államvédelmi Hatóság, Staatsschutzbehörde) lag, von ihrer Funktion und Arbeitsweise im totalitären kommunistischen Staat her durchaus gleichbedeutend mit der Stasi = Staatssicherheitsdienst der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Wir übersetzen daher „Staatsschützer“, wiewohl der übersetzte Begriff gegenüber dem Bedeutungsklang des Originals an Schärfe verliert.

4) Kleinstädte in der ungarischen Tiefebene: Szolnok an der Theiß südöstlich von Budapest, Sitz des gleichnamigen Komitats, Eisenbahnstation Richtung Rumänien, um 1970 48.000 Einwohner; Hatvan in der Gombos-Pußta, im Komitat Heves nordöstlich von Budapest, an der Bahnlinie Miskolc-Ostslowakei-Lemberg (Lvov), um 1970 21.000 Einwohner.

5) Nagykanizsa, dt. Großkanischa, Komitat Zala, Stadt in Transdanubien nahe der kroatischen Grenze, um 1970 35.000 Einwohner.

6) der MDP = Magyar Dolgozók Pártja, dt. „Partei der Ungarischen Werktätigen“. So nannte sich die vormalige MKP = Magyar Kommunista Párt nach der Zwangsvereinigung mit den Ungarischen Sozialdemokraten am 10. März 1947.

7) Wörtlich: Kolbász. Es handelt sich dabei um eine ungarische Spezialität, dünne Räucherwürstchen, bestehend aus rohem Schweinehack (meist aus Eigenschlachtung), Paprika und Kochsalz.

8) Mór Jókai (1825-1904), Erzähler („Egy magyar nábob“, 1853-54), Essayist, 1848 Teilnehmer an der Erhebung gegen Habsburg-Österreich, verbüßte 1863 für einen Leitartikel eine einmonatige Gefängnisstrafe. Seine Werke erschienen zu seinem 50-jährigen Schriftsteller-Jubiläum im Jahre 1894 in einer hundertbändigen Schmuckausgabe.

9) Kálmán Mikszáth (1847-1910), Schriftsteller, Journalist, Gesellschaftskritiker (A Noszty fiú esete Tóth Marival, 1908); Jókai-Biograph (1907).

10) Als blockfreier Staat war Finnland den Ungarn spätestens seit Ende der 1960er Jahre als Reiseziel gestattet.
(wird fortgesetzt)